Psychogeografie
Anthologie, 2020
Seit es urbane Räume gibt, haben Städte eine eigene Identität. Jedes einzelne Gebäude, jede Straße, jedes Viertel, jede Litfaßsäule und jeder monumentale Prachtbau hat eine eigene Geschichte, die es zu erzählen gilt, wenn wir begreifen wollen, wie uns die Welt um uns herum beeinflusst. Dies ist besonders wichtig, wenn Städte sich so rasant verändern, wie es derzeit der Fall ist. Dann müssen die alten Fragen, wem die Stadt gehört und wer sie gestaltet, neue Ausdrucksformen finden. Von Paris nach London und über Umwege nach Berlin: Diese von Anneke Lubkowitz herausgegebene Anthologie versammelt wichtige und überwiegend erstmals auf Deutsch publizierte Grundlagentexte zur Auseinandersetzung mit einer hierzulande bisher kaum bekannten Tradition der Stadterkundung. Die erstmals 1956 von Guy Debord beschriebene Psychogeografie ist eine Methode des Gehens und der Stadterkundung, in der man sich treiben lässt, sich der Umgebung aussetzt, sie beobachtet und darüber objektive Erkenntnisse zu gewinnen versucht. Die Gefühle, die dabei ausgelöst werden, unterscheiden sich von denen des Flaneurs oder des dandyhaften Schlenderers: Sie dienen dem »Aufspüren« einer städteplanerischen Absicht, die etwa den Zugang zu manchen Bezirken erschwert und bestimmte gesellschaftliche Gruppen voneinander abgrenzt. Das Gehen der Psychogeografen bringt somit die verborgenen Logiken einer Stadt zum Vorschein.
Mit Beiträgen von Garnette Cadogan, Guy Debord, Aminatta Forna, Grashina Gabelmann, Anja Kümmel, Henri Lefebvre, Fabian Saul, Paul Scraton, Will Self, Iain Sinclair, David Wagner und Frank Witzel.

- Anthologie
- Matthes & Seitz Berlin 2020
- Hardcover
- 230 Seiten
- Website
»Für mich war die Lektüre dieses Buches so, als hätte ich mir die Brille geputzt.« — blauschwarzberlin #17 (Juni 2020)
»... ein wunderbarer Anfangspunkt, um sich davon ausgehend tiefergehend in die Thematik einzuarbeiten; und ... auch Anregung zum Diskurs um den öffentlichen Raum, der dringend immer wieder aufs Neue und durchaus lauter geführt werden sollte: Wer ist auf der Straße? Wer erfährt Gewalt? Was sagen infrastrukturelle Besonderheiten über Interessen und Macht aus? Wie gestaltet sich der städtische Wandel? Welche unsichtbaren Grenzen gibt es? Wann ist das bloße Gehen Widerstand? Welche gesellschaftlichen Beziehungen werden produziert und manifestiert? Und wem wird der Weg gänzlich verbaut?« — pro zukunft, 2020 | 3
»Die bis in die Gegenwart reichende und von Paris über London und New York stolz nach Berlin führende Auswahl ist reizvoll, gerade weil sie nicht auf der Hand liegt.« — FAZ, 25.03.2020
»Man sollte in jeder Stadt ein ›Touristen-Desinformationszentrum‹ einrichten, ... um ›Besucher einzuladen, die Stadt neu zu gestalten, statt sie zu konsumieren‹. Das möchte man nach der Lektüre von Psychogeografie auch tun.« — der Freitag, 16.03.2025